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Die Sonntagsinsel Viðey

Wer vom neuen Hafen in Reykjavik aus die Fähre zur Insel Viðey nimmt, der kann vom Land träumen. Die Insel entstand vor zwei Millionen Jahren aus einem Vulkan. Gegen Ende der letzten Eiszeit stieg der Meeresspiegel und der Vulkan verschwand. Vor zehntausend Jahren sank das Meer und die Insel tauchte auf. Heute dürfte sie so etwas wie eine Sonntagsausflugsinsel für Hauptstädter sein. Ganz unspektakulär für Touristen, die vom eben noch besten zum gleich noch viel besseren Hotspot traben müssen. Davon ausgenommen, die melancholische Gegenwart hier, wie immer vor der Haustür gelegen. Sie beweist sich schon in der ersten Begegnung: Eine Herde Islandpferde steht unbeweglich wie in Trance, mit offenen Augen schlafend. Klimatisch ist die Sonntagsinsel eine Miniatur Islands: Die Wetterräume liegen so eng beieinander, dass sich auf Schritt und Tritt die Temperatur, der Charakter des Windes, die Farbe des Lichtes wandeln: Die Sonne scheint nicht mehr, die Wolken hängen tief, sind schwarz oder silbern, Nebel quillt auf, oder Sprühregen fällt auf ein paar Meter. Feucht ist es fast immer und doch scheint unerwartet die Sonne …