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Weniger fliegen, mehr sehen

Statt sich in Flugscham zu wälzen, gibt es einen positiveren Ansatz weniger zu fliegen: Es geht um die schönere Reiseerfahrung. Es gab eine Zeit, da wurde eine Umweltverschmutzung dem Verursacher angelastet. Dem Produzenten industrieller Emissionen wurden Filteranlagen aufgezwungen. In der Ära des Liberalismus, in der jeder angeblich allein verantwortlich ist für Sieg oder Niederlage, kehrt sich auch die Logik der Konsumverantwortung um: Schuld ist immer der Verbraucher. Nicht die Fluggesellschaft soll sich ihrer CO2-Verschmutzung schämen, sondern der Passagier. Dabei bleibt es ein viel zu schnell abgetaner Fakt, dass die freie Wahl des Verkehrsmittels – inklusive einer zumindest fragwürdigen Ablasszahlung für den CO2-Ausstoß – ein ausreichendes Budget voraussetzt. Wer darüber nicht verfügt, ist nicht etwa arm, sondern hat es nur noch nicht verstanden. Er gehört belehrt und erzogen.  Den gesellschaftlichen Wandel per Ordnungspolitik, die Einrede individueller Flugscham und ein moralisches Verurteilen anderer Reisender von der hohen Warte des finanziell Privilegierten aus, offenbart einen autoritären Geist, der strikt an den Konsumenten und viel zu selten an den Verursacher appelliert. Wenig erstaunlich, dass die negative Motivation bisher kaum ankommt, …