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Im Café Hoppe steht die Zeit

Entschleunigung in Amsterdam? Im Café Hoppe am besten unter Woche. Um den Platz Spui gibt es viele Bücherläden und sogar einen Buchmarkt.

Vormittags in der Wochenmitte überfallen keine reichen jungen Männer mit Bart und Hornbrille das Amsterdamer Café Hoppe. Rastlose Späher, um den letzten Fleck der Stadt zu gentrifizieren. Was nicht heißen soll, dass es sie nicht gibt. Nur haben sie gerade anderes zu tun. Oder es passt ihnen ästhetisch nicht, dass auf der Terrasse reifere Touristen und silberhaarigen Niederländer sitzen. Was noch schlimmer ist: Die Zeit steht still. Ziemlich genau seit 1670. Seither strömt das Gesöff über Leitungen aus den Wänden. Genever oder Kruiderbitter. Als wäre es ein Gemälde, das von der Ewigkeit erzählt. Auf dem Fußboden liegt feiner Sand und die einzige Musik kommt von brabbelnden Niederländern, der rauschenden Straßenbahn und den Glocken der Fahrräder vor der Tür.

Den halben Tag verbringe ich auf der Terrasse. Das Café Hoppe ist ein perfekter Ort zum Lesen. Die Küche ist leider nicht gut, das nehme ich in Kauf für den Luxus von Zeitlosigkeit. Fortwährend wird man mit dem besten Cappuccino der Welt und später einem Apfelpie getröstet. Die Küche ist also doch nicht so schlecht. Von dort blicke ich auf den Spui, einen unspektakulären Platz im Jordanviertel. Der Name kommt von dem Fluss Spui, der bis 1425 die Südgrenze von Amsterdam war. Durch Aufschüttungen im neunzehnten Jahrhundert wurde die Spui zum Platz.

Hier war auch einmal das Journalistenviertel. Die Journalisten sind längst ihren Zeitungen hinterhergezogen. Es hat ihnen nichts genutzt. Die Zeitungen gehen trotzdem unter. Was aus den Journalisten wird, wissen wir noch nicht. Die Buchhandlungen haben überlebt. Man kann Bücher in allen Sprachen erwerben. Der niederländische Verlag Athenaeum Boekhandel hat dort seinen Sitz. Und jeden Freitag gibt es einen Buchmarkt. Ein Verein namens „De Boekenmarkt op het Spui“ sorgt sich um die Qualität und veröffentlicht eine Liste der Teilnehmer. Das Café Hoppe besitzt auch eine Website. Nur fühlt man sich dort unwohl mit der eigenen Geschichte. Nach einem spektakulären Zeitsprung von 1670 bis 1966 in vier Zeilen, wirft man das Handtuch und es heißt: „That’s enough history, let’s get to the present day… Come along for a drink on a Friday afternoon and you’ll see what we mean.“ Wie es an einem Freitag aussieht, will ich nicht wissen. Kommt lieber an einem Mittwochvormittag, bringt ein Buch mit und genießt den Luxus der Zeitlosigkeit.

Infos:

Café Hoppe

De Boekenmarkt op het Spui

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