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Islands Westfjorde entdecken

Sehen was alle sehen? Wer sich Reiseführern und Tipps verweigert, kann die Landschaft mit eigenen Augen entdecken. Das Ziel dient nur als Vorwand für den Reiseweg. Beispiel: Die Westfjorde auf Island – mit dem Fahrrad. Manchmal muss man sich taub stellen. Nur so widerstanden wir auf einer Islandreise den besten Tipps, den Erfahrungen der vor uns gereisten, der Reiseführer und den Fantasien der Zuhausegebliebenen. Noch per Telefon diktierten sie: „Wenn ihr nach Island fahrt, müsst ihr Geysire sehen, sonst seid ihr nicht dagewesen!“ Wir waren anderer Meinung. Selbst wenn wir ein gestecktes Ziel einmal nicht erreichten, tat das der Reiseerfahrung keinen Abbruch. Im Gegenteil. Die Fotos entstanden einer Fahrradtour von Bildudalur nach Selárdalur. In Selárdalur, ein einsamer Ort auf den Westfjorden, wurde Samúel Jónsson vom Landwirt zum Künstler, der plötzlich naive Plastiken schuf. Als Jónsson später museumstauglich wurde, wandelte sich sein zurückgezogener Arbeitsort in ein Ziel für Kulturtouristen. Die schlechte Straße dorthin verhindert, dass sich Besucher gegenseitig auf die Füße treten. Stattdessen finden wir: Eine Küste in Nebel eingehüllt und alle hundert Meter, spätestens nach …

Im Land der Radfahrer

Zu meiner Beruhigung fliege ich, was vor mir liegt, von Zuhause aus ein paar Mal mit dem Satelliten an. Noch sitze ich gemütlich auf der Couch und die flämischen Ardennen liegen platt auf dem Bildschirm, gleich neben einer Tasse Tee. Was soll an diesem Gelände schwer sein? Aber das ist die Perspektive eines Vogels. Dann steige ich in ein Flugzeug. Es gehört zu den Nachteilen einer Flugreise, dass man blitzschnell vor Ort ist. Übergänge gibt es nicht mehr. Rituale dienen nur noch der Sicherheit. Und so werde ich ohne Atempause vom Couch-Potato zum Radsportler. Auf einmal besitzt die platte Landschaft der Ardennen eine dritte Dimension, Schrägen und Wände. Hoch oben über meinem Kopf zum Beispiel sitzen wahre Reise-Topics: Oude Kwaremont, Paterberg und Koppenberg. Der Höhe nach handelt es sich um lächerliche Hügel, der Steigung nach nicht. Zumindest nicht für einen untrainierten Städter. Über regennasse und glitschige Pflastersteine geht´s hinauf. „Am Koppenberg“, versichert der Guide, „steigen auch die Profis ab.“ Bei 22 Prozent Steigung folge ich stolz ihren Spuren. Dabei betrüge ich längst mit einem Mountainbike. …