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Eigentlich fliegt der Autor nicht gern. Die freie Verkehrsmittelwahl muss man sich aber auch leisten können. Eine ehrliche Kolumne rund um Flugreisen.

Weniger fliegen, mehr sehen

Statt sich in Flugscham zu wälzen, gibt es einen positiveren Ansatz weniger zu fliegen: Es geht um die schönere Reiseerfahrung. Es gab eine Zeit, da wurde eine Umweltverschmutzung dem Verursacher angelastet. Dem Produzenten industrieller Emissionen wurden Filteranlagen aufgezwungen. In der Ära des Liberalismus, in der jeder angeblich allein verantwortlich ist für Sieg oder Niederlage, kehrt sich auch die Logik der Konsumverantwortung um: Schuld ist immer der Verbraucher. Nicht die Fluggesellschaft soll sich ihrer CO2-Verschmutzung schämen, sondern der Passagier. Dabei bleibt es ein viel zu schnell abgetaner Fakt, dass die freie Wahl des Verkehrsmittels – inklusive einer zumindest fragwürdigen Ablasszahlung für den CO2-Ausstoß – ein ausreichendes Budget voraussetzt. Wer darüber nicht verfügt, ist nicht etwa arm, sondern hat es nur noch nicht verstanden. Er gehört belehrt und erzogen.  Den gesellschaftlichen Wandel per Ordnungspolitik, die Einrede individueller Flugscham und ein moralisches Verurteilen anderer Reisender von der hohen Warte des finanziell Privilegierten aus, offenbart einen autoritären Geist, der strikt an den Konsumenten und viel zu selten an den Verursacher appelliert. Wenig erstaunlich, dass die negative Motivation bisher kaum ankommt, …

Wer klug ist, steigt zuletzt ein

Entspannter fliegen ohne Speedy Boarding. Wahrer Reiseluxus heißt, letzter zu sein. Der gute alte Jesus und ein bekannter sozialistischer Politiker machen es vor. Eine Flugreise mit umfangreichen Sicherheitsritualen kann anstrengen. Zweifelhafte Versprechen und individuelle Irrtümer über Komfort setzen noch eins drauf. Ein Extrem falschen Reisens habe ich einmal am Flughafen in Brüssel beobachtet. Die Maschine nach Berlin hatte Verspätung. Aus einer ersten halben Stunde, wurde eine weitere und so fort. Bald waren es drei Stunden. Davon unbeeindruckt bildete sich vor dem Terminal eine hartnäckige Schlange, in der jede und jeder mit ausgefahrenen Ellenbogen seinen Rang verteidigte. Darunter eine Schwangere. Mit fortschreitender Zeit wurden die dort eingezwängt Wartenden aggressiver. Dabei besaßen alle fest gebuchte Sitzplätze. Außerhalb der Schlange gab es ausreichend Raum mit Sitzgelegenheiten. Objektiv gab es also keinen Grund, sich diese Tortur aufzuerlegen. Dass man als Spätzusteiger sein Handgepäck nicht unmittelbar in Sitzplatznähe unterbringen kann, ist eher eine wohl gepflegte panische Idee im Kopf, als eine echte Katastrophe, wenn man es einmal selbst erlebt. Unwillkürlich dachte ich an weiteren Unsinn auf Flugreisen. Mal selbstverschuldet, mal …